ASV-Einigkeit 1928


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1. Tag

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Angeln in Jämtland


Im Sommer 2005 erforderten private Angelegenheiten, für meinen Bruder Hans-Eckhard und mich, einen Aufenthalt in Jämtland/Schweden.

Es bot sich also an den Termin so zu legen, dass das Angeln nicht zu kurz kam.

Wir waren uns schnell einig, dass eine Reise um die Mittsommerzeit für unsere Belange das richtige sein müsste.

Schnell im Internet bei Ryan Air einen Hinflug, für den 21.06.05 ( Midsommer ), und einen Rückflug für den 29.06.05 gebucht. Kostet uns schlappe 49 € pro Nase. Da darf der Mietwagen etwas üppiger ausfallen. Schließlich muss einiges an Angelgerät mit.

Also noch bei Hertz ( war etwas günstiger als AVIS ) einen Ford Focus gebucht für 340 € für 9 Tage.

Nach unserer Rückkehr haben wir erfahren, dass eine Buchung über die schwedische Website ( WWW.Hertz.sk bzw. WWW.Avis.sk ) wesentlich billiger wäre. Dumm gelaufen.

Am 29.06. wie geplant 2,5 h vor Abflug am Flughafen Hahn angekommen. Da Ryan Air keine Sitzplatzreservierung vornimmt kommen die ersten 165 Fluggäste als erstes in den Flieger, danach die Passagiere ab Nr.166 aufwärts. Frühaufsteher sind also eindeutig im Vorteil.


Also erst mal Gepäck aufgeben. Der freundliche Herr fragt uns ob wir unser Gepäck zusammen wiegen lassen wollen. Klar, warum nicht. Ich habe mein Gepäck zu Hause tagelang umgeschichtet damit die Personenwaage zum Schluss nur noch 15,5 kg angezeigt hat. Bei einem halben kg drücken die bestimmt ein Auge zu.

Schließlich darf man bei Ryan Air nur 15 kg Gepäck aufgeben. Jedes kg mehr kostet 7 €.

Darauf vertrauend dass Hans-Eckhard in meiner Gewichtsklasse liegt, hieven wir unsere Koffer aufs Band. Wir legen unser Gepäck zusammen auf die Waage.
„Wie bitte ?“ . Ich schaue auf die Digitalanzeige der Waage. Ist der Herr gar nicht so nett und hat seinen Fuß auf dem Band stehen ? Nein. Sichtlich schockiert schaue ich zu meinem Reisebegleiter herüber.

„Das sind dann insgesamt 42,5 kg. Also sagen wir 12 kg Übergepäck. Das macht dann 84 €. Möchten Sie bar oder mit Karte bezahlen ?“.

Während Hans-Eckhard seinen Geldbeutel zückt, frage ich mich ob er 120 g schwere Hochseepilker eingepackt hat. Die machen sich bestimmt gut an der Fliegenrute.

Die Wartezeit bis zum Abflug haben wir uns damit vertrieben zu diskutieren was er alles eingepackt hat und wie viel man zum Fliegenfischen braucht.



Blick vom Flugzeug auf die Schwedische Landschaft

Eine kleine Spinnrute mit Rolle, 5 Dosen Blinker, Wobbler, Spinner und Twister mit verschiedenen Bleiköpfen und Farben mussten unbedingt mitgenommen werden. Schließlich gibt es stattliche Hechte und dicke Raubforellen in den Seen und Flüssen Jämtlands.

Aber muss man so viel davon mit nehmen ? Zumal wir nur Fliegenfischen wollten !

„Naja,das Zeug wiegt ja nichts“.



Das Übergepäck hat mehr gekostet als der gesamte Flug. Beim nächsten mal melden wir Sportgepäck an. Das kostet, egal wie schwer und welches Maß, pauschal 25 €.

Hinterher ist man immer schlauer.

Um 9Uhr45 ging es endlich in die Luft. Nach knapp 2 stündigem, ruhigem Flug mit Blick auf die Flüsse und Seen Südschwedens, sind wir sicher auf Skafsta in Nyköping gelandet.

22°C, schwacher Wind und viel Sonne. So kann es bleiben.

Seen, Flüsse und Wald. Was will man mehr ?

12 Uhr. An der Mietwagenstation nahmen wir unseren Mietwagenschlüssel in Empfang. Ford Focus gab es nicht.
Haben einen Volvo V 50 bekommen, auch gut.! .............Nicht unser Mietwagen

Schnell wurde alles verstaut und dann ging es gleich auf die Autobahn, E 4 in Richtung Stockholm.

Stockholm, das Venedig des Nordens. Eine Stadt von Wasser umgeben und dann noch die Möglichkeit kostenlos auf Lachs zu fischen. Wie viele Städte können so etwas bieten ?

Von Stockholm weiter über Uppsala und Gävle ( Älvkarleby ist berühmt für seine Meerforellen ) Richtung Norden bis Sundsvall gefahren. Dort die Küstenstraße verlassen und links abgebogen auf die E 75 Richtung Östersund. Jetzt geht es durchs Landesinnere parallel zum mächtigen Indalsälven.

In Bräcke machen wir halt um uns kurz mit Hans-Eckhards Schwiegersohn Oliver zu treffen.

Es ist bewölkt, leicht windig und das Thermometer zeigt 17°C.

Oliver hat z.Zt. beruflich in der Gegend zu tun und will uns über das Wochenende einen Besuch abstatten.

Nach herzlicher Begrüßung erzählt er uns, dass ein Mitarbeiter von ihm, einfach mal aus Langeweile, sich eine Angel und einen Blinker geliehen hat und runter gelaufen ist an den Indalsälven.

Dort hat der „Schwarzfischer“ vom Ufer aus nach knapp 5 Minuten einen Hecht gefangen.

Der Räuber war einen guten Meter lang und wog geschätzte 25 Pfund. Das muss das berühmte Anfängerglück sein.

Wir machen uns wieder auf den Weg. Kurz hinter Bräcke ziehen sich dunkle Wolken zusammen. Es fängt heftig an zu Regnen. Man merkt, dass man in die Berge kommt.

Nach einer weiteren Stunde sind wir in Östersund, der 80 000 Einwohner zählenden Hauptstadt Jämtlands. Es regnet immer noch und das Thermometer fällt weiter, nur noch 14°C.

In Östersund decken wir uns mit Lebensmitteln ein und setzen unsere Fahrt in Richtung Trondheim fort.

Nach 20 km überqueren wir den Indalsälven, nicht ohne einen Blick von der Autobrücke ins kristallklare Wasser geworfen zu haben.

Nach einer guten Stunde sind wir in unserer Hütte angekommen. Es ist halb 9 am Abend, der Regen hat aufgehört und die Sonne steht fingerbreit über den Bergen. Wir haben 12°C. Ein leichtes Frösteln geht durch meinen Körper.

Macht nichts, wird morgen bestimmt besser werden.



Zügig wird das Auto geleert und erst mal alles im Haus deponiert.

Die Angeln nebst Zubehör bleiben im Wagen, weil wir unbedingt noch irgendwo ans Wasser wollen. Es ist jetzt 21 Uhr 30. Lange wollen wir nicht mehr fahren.

Wir entscheiden uns für den Håkan. Nur eine knappe Stunde Fahrt bis nach Föllinge.

Bei der OK-Tankstelle kaufen wir eine Tageskarte für 60 Kronen ( ca. 6,50 € ).

Die Tageskarten sind immer 24 h ab Kauf gültig, also nicht datumsabhängig.

Wir Parken auf dem „Campingplatz“ direkt am Fluss.

Auf dem „Campingplatz“ bei Föllinge ..................................................... Der Håkan bei Föllinge


Ein Wohnmobil steht schon da. Nanu ? Ein Schwede der nicht mit Freunden und Bekannten zusammen sitzt und Midsommer feiert ?
Mal freundlich fragen ob der Bewohner des Gefährtes etwas an den Blinker bekommen hat.

Nein, hat er noch nicht, er ist aber guter Hoffnung. Wir auch.

Alles dabei ?

Ich knote eine braune Goldkopfnympfe an das knapp 3 m lange, 0,14-er Vorfach. Bei den sauberen, glasklaren Gewässer Jämtlands ist von einem zu kurzen Vorfach ab zu Raten. Die Sichtigkeit ist einfach zu gut. Bei der Vorfachstärke kommt man in einen Gewissenskonflikt.

Wählt man das Vorfach zu dünn, kann es passieren, dass man „Pech“ hat und eine der großen Forellen an den Haken bekommt. Exemplare um die 6 Pfund sind nichts außergewöhnliches.

Wählt man es zu stark, bleiben die Bisse aus. Fische sind garantiert genug da.

Vorsichtig wate ich ins Wasser. Nur weil ich jeden Stein auf dem Gewässergrund erkennen kann heißt das nicht, dass es flach ist.

Ich beginne schräg stromauf die Nymphe ins Wasser zu befördern. Nichts steigt, kein Insektenschlupf. Der Håkan liegt ruhig wie ein Spiegel.

Ich warte auf bessere Zeiten

Ich wechsle die Fliegen.

Nachdem ich jedes Exemplar meiner Nymphendose mehrmals zu Wasser gelassen habe lande ich wieder bei der braunen Goldkopfnymphe.

Und endlich stoppt etwas die Drift. Ein kurzer, nicht zu heftiger Anhieb und schon kommt Leben in die Rute. Na also, geht doch.

Kurze, schnelle Fluchten und kleine Ruckler, dann durchbricht eine maßige Bachforelle den Wasserspiegel, schlägt in der Luft einen Salto und taucht wieder in sein Reich ein.

Die Haltungsnoten wären nicht so toll gewesen. Klarer Abzug in der B-Note. Aber den Pflichtteil hat der Bursche erstklassig hinbekommen. Vorfachbruch.

Ich schaue auf die Uhr. 1 Uhr 30. Müdigkeit macht sich breit. Es war ein langer Tag.

Es ist absolut windstill, 9°C und die Sonne hat sich ein wenig hinter den Bergen versteckt.

„Wie sieht’s aus ? Wollen wir uns auf den Heimweg machen ?“

Auch Hans-Eckhard ist für eine Mütze Schlaf zu haben. Er hatte nicht mal das Vergnügen eines Bisses.

Der Himmel bietet uns als Entschädigung ein großartiges Schauspiel. Welche Farbpracht. Wir können uns nicht satt sehen an der herrlichen Natur.
.........................................Farbspiel am Håkan........................

Als wir zum Auto laufen sehen wir neben dem Wohnmobil ein Feuer lodern und Rauch aufsteigen.

Sollte unser schwedischer Kollege so erfolgreich gewesen sein das er die Fische gleich räuchert ?



Rauch steigt auf. Indianer oder geräucherte Fische ?


Als wir näher kommen sehen wir was da qualmt. Ein anderer Angler hat wohl nasse Füße bekommen. Er hat jeweils einen Turnschuh auf einen Birkenzweig gesteckt und sie zum Trocknen über das Feuer platziert.

Plötzlich wird uns bewusst, dass wir seit 7 Stunden nichts mehr gegessen haben. Daraufhin stellt sich auch prompt der Hunger ein.

Jetzt wird es wirklich Zeit nach Hause zu fahren. Wir beschließen dem Håkan, und besonders den Äschen und Forellen, in unserem Urlaub nochmals einen Besuch abzustatten.

Und dann kriegen wir euch.

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